Über Bewertungen
Was bedeuten Parker-Punkte, Gambero-Rosso-Gläser oder Falstaff-Wertungen wirklich? Ein kurzer Überblick.
Vorausschickend möchte ich erwähnen, dass jeder Weinführer Vor- und Nachteile hat. Der eine mag konzentrierte, alkoholreiche Weine, der andere lieber elegante Weine. Die Kritiker haben ihre Lieblingsweingüter und Winzer, völlig neutral ist keiner — manchmal spielen auch freundschaftliche Verbundenheit oder wirtschaftliche Interessen eine gewisse Rolle.
Wenn man aber einige Weine probiert und die jeweiligen Bewertungen dazu gelesen hat, weiß man recht gut, wie die Kritiken und Vorlieben einzuschätzen sind und kann sich danach richten. Vor allem sollte man sich aber selbst durch Verkosten und Vergleichen eine eigene Meinung bilden — jede Verkostung ist nur eine Momentaufnahme, jeder Wein verändert sich im Lauf der Jahre.
Alle Weinführer erscheinen jährlich mit den aktuellsten Verkostungen und Bewertungen. Ich beginne entsprechend meinem Sortiment mit den fünf wichtigsten italienischen Führern, denen die wichtigsten sonstigen Kritiker und Weinführer folgen.
1Gambero Rosso
Der Weinführer „Vini d'Italia" vom italienischen Verlag Gambero Rosso ist der bekannteste Weinführer für italienische Weine und gilt als Standardwerk. Die Weine werden von mehreren Fachleuten in Blindtests verkostet und bewertet. Zur Qualitätskennzeichnung werden Weingläser vergeben: 1 Glas für gute, 2 Gläser für sehr gute und 3 Gläser (tre bicchieri) als Höchstnote für außergewöhnliche Weine. Weine, die in der Endausscheidung für „3 Gläser" standen, sie aber nicht erhielten, bekommen „2 rote Gläser".
2Robert Parker
Der Amerikaner ist der weltweit am meisten beachtete und einflussreichste Weinkritiker und bewertet unabhängig in einem 100-Punkte-Schema. Italienische Weine werden derzeit von Monica Larner bewertet, die Mitte 2013 Antonio Galloni ablöste. Eine Bewertung von 90 und mehr Punkten steht für hohe Qualität; Wertungen unter 80 Punkten werden meist gar nicht mehr erwähnt.
3Antonio Galloni
Galloni hat sich 2013 nach der Trennung von Robert Parker selbständig gemacht und veröffentlicht seither auf seiner eigenen Seite „Vinous" seine fundierten Kritiken, inzwischen auch für andere Länder als Italien. Durch seine langjährige Tätigkeit gilt er als einer der besten Kenner der italienischen Weinszene.
4I Vini di Veronelli
Luigi Veronelli war der bekannteste italienische Gastrokritiker. Nach seinem Tod 2004 wird seine Arbeit von Mitarbeitern weitergeführt. Der „Veronelli" enthält mehr Weine als der „Gambero Rosso", dafür kürzere Beschreibungen. Für die Bewertung werden Sterne vergeben — maximal 3 Sterne als Höchstnote (Super tre Stelle).
5Wine Spectator
Das amerikanische Magazin „Wine Spectator" ist die meistgelesene Weinzeitschrift der Welt und bewertet weltweit nach einem 100-Punkte-Schema. Sehr einflussreich im englischsprachigen Raum; für Italien ist James Suckling zuständig.
6Falstaff
Bekannte österreichische Wein- und Gourmetzeitschrift mit internationaler Beachtung, bewertet auch italienische Weine mit besonderer Beziehung zu Südtirol — ebenfalls nach dem 100-Punkte-Schema.
7Duemilavini / Bibenda
Der „Duemilavini" der italienischen Sommeliervereinigung AIS vergibt als höchste Auszeichnung die „Cinque Grappoli" (fünf Trauben). Die Bewertungen sind interessant, da auch weniger bekannte Weine erwähnt werden. Ab 2013 heißt der Führer „Bibenda".
8Vini d'Italia dell'Espresso
Der „Espresso" des Zeitschriftenverlags „L'Espresso – La Repubblica" bewertet in einem 20-Punkte-Schema nach Flaschen; Höchstnote sind die „Cinque Bottiglie" (fünf Flaschen).
9Gault Millau Weinguide
Der bekannteste Weinführer für deutsche Weine, mit Joel Payne als Herausgeber. Die Weine werden auf einer 100-Punkte-Skala in offenen Verkostungen bewertet, Weingüter erhalten bis zu fünf Trauben.
Neben den vorgenannten Weinführern und Kritikern gibt es noch weitere, die sich über die angebotenen Weine und Regionen entweder nicht äußern oder m. E. nicht so bedeutend sind.